2020-10-19 14.26.07

Warum Akzeptieren und Loslassen Hand in Hand gehen und welche Wirkung das auf Tomaten hat

Es gibt einen Zeitpunkt in meinem Gartenjahr, mit dem ich mich sehr schwer tue. Ein Tag, den ich so lang wie möglich hinausschiebe. Das ist der Tag, an dem ich im Herbst entscheiden muss, mit dem Aufräumen meines Balkongartens zu beginnen.

Schon als Kind mochte ich die hellen lichten Tage des Jahres lieber – die endlosen Sommertage, an denen meine Berge ihr Licht bis spät Abends in den schönen See blinzeln ließen und ich nach Sonnenuntergang meiner damaligen Familie helfen konnte, den Garten zu gießen.

Als es dann dunkler und die Nächte immer kälter wurden, war ich regelmäßig tieftraurig und schlecht gelaunt, denn nun war es wieder soweit: Ich musste den Sommer loslassen und den Lauf der Dinge akzeptieren – in diesem Fall den Herbst und den nahenden Winter.

Und wie geht es dir mit der Akzeptanz? Fällt es dir leicht, Dinge, Menschen und Ereignisse so sein zu lassen wie sie eben nun mal sind?

Oder gehörst du wie so viele von uns zu denen, die immer wieder hadern und sich schwer tun mit dem Annehmen und hin nehmen?

Akzeptieren gehört zu einem der wichtigsten Resilienzfaktoren. Wer akzeptieren und annehmen kann, was ist, der hat einen klaren Vorteil in der Bewältigung von Krisen und Herausforderungen.

Das heißt konkret: Wer mit dem Strom des Lebens schwimmt und sich nicht dagegen wehrt, lebt gelassener und friedlicher und konzentriert sich auf den gegenwärtigen Moment.

Aber warum fällt es uns dann manchmal trotzdem so schwer?

Darauf gibt es keine allgemein gültige Antwort. So verschieden wie wir alle sind, so divers sind auch die Gründe, warum wir festhalten und uns an Dinge, Menschen und vergangene oder zukünftige Ereignisse klammern.

Eines haben wir aber alle gemeinsam: Unser Gehirn kann uns helfen oder im Weg stehen, wenn es ums Loslassen und Akzeptieren geht.

Dr. Joe Dispenza, amerikanischer Neurologe, Pädagoge, Forscher, Autor und Vortragsredner, formuliert es in etwa folgendermaßen: „Unser Gehirn ist eine komplexe Maschine, die ständig Gedanken und Gefühle mit unserer Vergangenheit und der vorhersehbaren Zukunft abzugleichen versucht. Mit jedem Gedanken, den wir an Vergangenes oder Zukünftiges denken, entfernen wir uns also vom gegenwärtigen Moment. Aber genau dieser gegenwärtige Moment ermöglicht es uns, Gedanken und Gefühle loszulassen, die uns an vergangene oder noch nicht ereignete Dinge, Menschen und Begebenheiten binden.“

(www.drjoedispenza.com)

So weit, so gut. Aber wir alle wissen, dass wir unser ständiges Gedankenkarussell nicht so einfach stoppen und unaufhörlich im gegenwärtigen Moment sein können! Allerdings mache ich die Erfahrung, dass durch das bloße Sich-Bewusst-machen und die Reflexion der Gedanken, die mir nicht gut tun, schon eine Art Akzeptanz möglich ist:

Ich nehme mich als außerhalb meines denkenden Gehirns wahr, das bedeutet: ich bin NICHT mein Gehirn.

Probiere doch einmal Folgendes aus:

Wenn deine Gedanken um etwas kreisen, das dir zu akzeptieren schwer fällt, setze ganz bewusst ein innerliches STOPP.

Halte inne und beobachte, was passiert. Denkt sich der Gedanke von allein weiter? Wenn du ganz ehrlich mit dir bist, musst du feststellen, dass er das nicht tut. Du kannst deinen Gedanken und somit auch die dazugehörigen Gefühle lenken.

Mir helfen dabei Affirmationen, also positiv formulierte Sätze, die ich anstatt der destruktiven Gedanken denke,

z.B.: „Es habe alles was ich brauche ohne …(eine Person, einen Gegenstand etc.)“ oder

„Ich entscheide mich jetzt für meinen inneren Frieden und akzeptiere…“

Ich habe in meiner Ausbildung zur Resilienztrainerin bei den erfahrungsexperten (www.die-erfahrungsexperten.de) sehr wichtige Ansatzpunkte zum Akzeptieren kennengelernt, die nun auch in meine Arbeit mit einfließen:

  • Akzeptieren heißt nicht resignieren, heißt nicht einfach hinnehmen, sondern hat aktive Komponenten.
  • Akzeptieren stammt aus dem Lateinischen Verb accipere, was soviel bedeutet wie anerkennen, einwilligen, annehmen.
  • Akzeptanz beruht also auf Freiwilligkeit, d.h., ich entscheide mich dazu, etwas anzunehmen.

Das kann ein Problem oder eine Herausforderung sein, die Handlung eines Menschen oder einer ganzen Nation oder auch einfach nur eines meiner Gefühle.

Sobald du anfängst, den Widerstand und das Hadern mit etwas, das dir nicht gefällt, aufzugeben, kannst du die Energie, die dir jetzt zur Verfügung steht, für anderes nutzen.

Kennst du den Satz: Lass los, was dich festhält!

Den Satz mag ich nicht. Warum? Weil er genau das impliziert, woran ich nicht (mehr) glaube, nämlich:

Du wirst (von etwas) festgehalten und nicht du bist diejenige oder derjenige, die festhält und nicht los lässt. Und genau das ist nämlich der Punkt:

DU entscheidest. Du trägst die Verantwortung für das, was du denkst und somit auch fühlst.

Das ist fies, oder? Und auf der anderen Seite aber genau deine Chance, loszulassen und zu akzeptieren.

Dazu passt die Geschichte vom Meister und seinem Schüler:

Ein Schüler ging zu seinem Zen-Meister und fragte ihn: „Wie kann ich mich von dem, was mich an meine Vergangenheit bindet, lösen?“ Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf, umklammerte ihn und jammerte: „Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?

Was macht uns denn nun das Akzeptieren und Loslassen so schwer?

  • Das können negative Glaubenssätze sein, die wir über Jahre, meist aus der Kindheit übernommen und wie schweren Ballast mit uns herumschleppen.
  • Ängste und Sorgen können uns daran hindern, zu akzeptieren und anzunehmen was ist.
  • Geringes oder fehlendes Selbstwertgefühl lässt uns auch oftmals ganz dringend an Gewohntem festhalten und erschwert es uns, aus den „alten Verwicklungen“ herauszuwachsen.
  • Erlittene Kindheitstraumata können ebenso eine Ursache sein wie andere psychische Belastungen.

Herauszufinden, was genau dich daran hindert, Akzeptanz zu üben, lohnt sich aber nicht nur, damit du loslassen und annehmen lernst. Es hilft dir, dich und deine Beweggründe besser zu verstehen. Und auch das ist ein großer Schritt in Richtung (Selbst) Akzeptanz und Selbstsorge.

Möchtest du anfangen, dich in Akzeptanz und Loslassen zu üben?

Dann habe ich hier ein paar Fragen für dich:

  • Warum will ich das was ich will so unbedingt?
  • Was wäre, wenn ich alles was ist, akzeptieren könnte?
  • Was wäre, wenn ich alles Vergangene loslassen könnte und es würde nur noch das Hier und Jetzt zählen?
  • Wie würde ich mich dabei fühlen?
  • Wo im Körper könnte ich es spüren?
  • Wer in meinem Umfeld würde merken, dass ich losgelassen habe?
  • Wer in meinem Umfeld hätte etwas dagegen, dass ich akzeptiere?

Diese Fragen sind Teil meines 8-Wochen-Programms für Selbstsorge und Resilienz und es ist erstaunlich, was für eine Wirkung sie auf meine Klientinnen haben!

Welche Methoden dir sonst noch beim Akzeptieren helfen können:

  • Lerne zu meditieren – meditieren kann ganz einfach sein, indem du den Druck weg nimmst und einfach nur versuchst, ein paar Minuten im Hier und Jetzt zu sein
  • Etabliere eine einfache Atemübung – z. B.: Atme ein paarmal ganz tief in deinen Bauch ein und fühle beim Ausatmen das Ausströmen der Luft aus deinem Bauch
  • Besuche einen Yogakurs oder erlerne Qi Gong
  • Verbinde dich mit dem Wandel der Jahreszeiten – nimm ganz bewusst die Veränderungen wahr, die in der Natur vonstatten gehen
  • Richte deine Aufmerksamkeit auf das, was du bist und was du hast, anstatt auf das was du nicht bist und was dir fehlt – sei dankbar dafür
  • Überlege dir eine positiv formuliere Affirmation und lege sie dir auf den Nachttisch, lese sie abends vor dem Einschlafen und morgens nach dem Aufwachen
  • Auch wenn du nicht an Gott glaubst – diese Sätze von Franz von Assisi enthalten viel Wahrheit: Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die richtige Entscheidung zu treffen. Frage dich:Kannst ich das ändern, mit dem ich hadere? Liegt es in meiner Verantwortung, dies zu tun? Oder liegt es außerhalb meiner Macht?Wenn es um Menschen geht, die du anders haben möchtest: Mach dir ganz klar bewusst, dass du niemand anderen ändern kannst außer dir! Okay, wirst du jetzt sagen, aber was ist, wenn der andere mir Leid zufügt, mich verletzt oder mir übel mitspielt? Wohin dann mit meinen Rachegelüsten?Hier kann auch die Frage hilfreich sein:Muss ich in der Situation mit diesem Menschen bleiben?

The Work von Byron Katie setzt auch hier an – vier Fragen, die dich dabei unterstützen können, die Verantwortung zu übernehmen, die Opferrolle zu verlassen und zu akzeptieren was ist. https://thework.com/sites/de/

  • Als letzten Tipp:Schreib auf, was dich ärgert, dich nervt und dir den Schlaf raubt und finde heraus, was du daran ändern kannst und was davon nicht in deiner Macht steht.
  • Siehe dazu auch den Blogartikel „Warum unsere Gedanken am liebsten nachts Karussell fahren“:

https://www.ilona-kofler.de/warum-deine-gedanken-am-liebsten-nachts- karussell-fahren/

Wie du dir denken kannst, habe auch ich einige Zeit gebraucht, um das Akzeptieren und Loslassen zu verinnerlichen!

Dieses Hadern mit dem was ist und nicht annehmen was nicht ist, ich aber (verdammtnochmal) haben will, hat mich jahrelang Unmengen an Kraft und Energie gekostet.

Angefangen beim Wetter, über Menschen, die ich anders haben wollte und Ereignisse, die ich nicht akzeptieren konnte – und eben auch das Loslassen des Sommers. Und mit ihm die einjährigen Pflanzen, die ich eigenhändig gesät, verpflanzt und bis zur Ernte begleitet habe.

So wie meine Tomaten und Chilis und Bohnen, für die dann eines Tages im Herbst der Zeitpunkt gekommen ist, abgeerntet zu werden…

In diesem Sinne:

Lass los, was DU festhältst und melde dich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch und das gemeinsame Akzeptieren deiner Baustellen und den inneren Frieden, den du dadurch gewinnst!

Um das Loslassen geht es unter anderem auch in meinem Übergangsritual für feinfühlige hochsensible Frauen:

https://www.koflercoaching.com/online-uebergangsritual-fuer-hochsensible-frauen/

…und übrigens: Die restlichen noch unreifen grünen Tomaten packe ich in Zeitungspapier und lege sie mit einer reifen Tomate und zwei Äpfeln in eine Schüssel in die Küche. So stehen sie dann dunkel, aber warm und reifen allmählich nach. Letztes Jahr hatte ich so bis Ende Dezember eigene Tomaten und im Februar konnte ich wieder neu aussäen.

Zum Weiterlesen:

  • Das kleine Übungsheft Loslassen, Trinity Verlag
  • 4 Schritte zur Gelassenheit, GU Verlag
  • Radikale Akzeptanz, Vanessa Lindner
  • Widerstand zwecklos, Kösel Verlag

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